Entweltlichung

Als ich noch allein war, und mein stabiles Bezugssystem sich aus 0 Kontakten zusammensetzte: War es nicht einfach? War ich nicht glücklich?

Jetzt setzt es sich zusammen aus Rufen, die mich nicht meinen, aus Steinen, die über meine Oberfläche hinwegflitschen. Ich bin nicht da.

Ich bin zu keiner Sekunde des Tages allein. Die Welt streckt ihre Finger nach mir. Die Welt kaut. Die Welt spuckt aus. Was ist die Welt?

Ich bin nicht da. Ich habe anderes zu tun. Ich hätte anderes zu tun, wenn die Welt nicht wäre. Die Welt kaut. Die Welt spuckt aus.

Die Welt verdaut.

Die Welt ... spuckt aus.

Die Welt erbricht: Entweltlichung.

Die sonderbare Welt -- der Sonderweltler.

Früher bestand die Welt aus Menschen. Heute sind es Kontakte, die als Buchstaben über meinen Bildschirm tanzen und mich nicht mehr berühren.

Die Welt endet. Jetzt. Ein Wimpernschlag, zwei Wimpernschläge. Die Welt endet jetzt. Die Einschläge nähern sich.

Die Welt endet jetzt -- an tausenden Orten. Manchmal gelingt es ihnen sogar noch, die Augen zu schließen.

Manchmal sollte es nicht weniger als die ganze Welt sein.

"Wollen Sie die Spuren Ihres Besuchs von dieser Welt entfernen?"

Als ich noch allein war und die Welt noch keinen Zugang zu mir gefunden hatte, war es noch einfach und ich war glücklich. Ich bin nicht da.

Das Telefon klingelt, klingelt, klingelt. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin aus der Welt. Ich bin nicht mehr da.

Der Himmel ist weit. Abends sammeln sich die Krähen und fliegen davon. Ich bin nicht mehr da. Niemand ist mehr da und wir verlaufen uns in den Straßen. Wir blicken nicht zurück. Unsere Münder formen beständig die Worte "Ich bin da, ich bin da, ich bin da..."

Und die Spatzen pfeifen es von den Dächern: "Sieh mich, sieh mich, sieh mich."

Und der dir entgegekommt, als ein Freund: er will etwas von dir. Das Lächeln, die ausgebreiteten Arme: nichts ist umsonst.

Das ist die Wirklichkeit. Du wirst die Wirklichkeit begreifen lernen. Du wirst die Welt begreifen lernen.

Und irgendwann wirst du bezahlen.