Berliner Fraktionsvorsitzenden-"Humor"

Ungefähr ab der fünften Klasse erzählten meine Mitschüler manchmal homophobe Witzchen, die sie wohl selbst nicht kapierten. Ich nehme an, daß sie diese bei Erwachsenen aufgeschnappt hatten, ebenso wie die fremdenfeindlichen Kalauer und die Shoah-Scherzchen. Daß solcherlei per "Humor" antrainierte Haltungen ab und an die Tendenz haben, sich bis ins Teenageralter zu einer handfest rechtsextremen Einstellung hochzuschaukeln, zeigte sich bei einem Klassentreffen etwa sechs oder sieben Jahre später.

Der Ex-Mitschüler trug Tarnfleck, Springerstiefel und entäußerte sich in braunen Absonderungen: antisemitisch, fremdenfeindlich, homophob. Würde ich L. in Schutz nehmen wollen, könnte ich an mildernden Umständen vorbringen, daß er außer der Hauptschule, irgendeiner Lehrstelle und seinem CSU- bis Republikaner-durchtränkten Umfeld womöglich nicht viel mitgekriegt hatte, was seiner Fähigkeit, differenziert zu denken, nicht eben auf die Sprünge geholfen haben dürfte.

Betrachten wir mal ein anderes Exemplar: Knapp acht Jahre jünger als L., aufgewachsen in der Zivilisation (Bonn), Privatgymnasium, Hoch­be­gab­ten­för­derung, Zivildienst, Studium in Deutschland und China, brillanter Rhetoriker, schaffte es mit seiner Partei 2011 mit 8,9% ins Berliner Abgeordnetenhaus, ist dort Fraktionsvorsitzender und benutzt Worte wie "Arschgeburt" in bundesweit ausgestrahlten Fernsehinterviews. Könnte durchaus wissen, daß dieser Begriff eine der übelsten Beleidigungen ist, die man auf Schwule anwenden kann. Hat ihm vermutlich noch keiner gesagt. Oder er hat grade nicht zugehört. Wir sollten ihm auf die Sprünge helfen: Erklärt dem Lauer doch bitteschön, was Homophobie ist. Auf Twitter, per Mail oder im persönlichen Gespräch, falls Ihr ihn trefft: #make_lauer_aware

Ich fordere außerdem, daß Christopher Lauer sich (nach erfolgter Aufklärung) für die Verwendung des Begriffs "Arschgeburt" öffentlich erklärt und dafür ebenso öffentlich diejenigen um Verzeihung bittet, die er - egal, ob absichtlich oder unabsichtlich - aufs Gröbste beleidigt hat.